Durch das Oslo-Abkommen zwischen Israel und der PLO entstand hier zu Lande
ein Vakuum bezüglich der Orientierung der Palästinenser im Ausland.
Dies war durch die Auflösung der palästinensischen Vereine in Deutschland und
die Umorientierung in Richtung auf die „Autonomie-Behörde,
in den diese Verbindungen nach langfristiger Meinung,überflüssig geworden seien.
So entstand der Bedarf und die Notwendigkeit seitens der palästinensischen Gemeinde
in mehreren Gebieten und Städten den Verein„Palästinensische Gemeinde-Deutschland“
(PGD) zu gründen.
Der Gründungskongress war 1996.
Danach sind mehrere Gemeinden in den Städten entstanden, so auch in Hannover im Juni 1998.
Die Gemeinde ist ein eingetragener Verein mit Anerkennung der Gemeinnützigkeit aufgrund der
definierten Vereinsarbeit in der Satzung und aufgrund des interkulturellen Charakters der
Gemeindearbeit, mit hohem kulturellem, integrativem und demokratischem Anspruch.
Die Gemeindemitglieder sind von ihrer Religionszugehörigkeit heterogen, es sind Muslime,
Christen und Drusen, somit spielen religiöse Differenzen keine Rolle bei der gesellschaftlichen Arbeit.
Die Palästinenser in Deutschland sind etwa 70 000 – 100 000
und lassen sich durch die unterschiedlichen Herkunftsländer sehr schwer erfassen.
Die Aktivitäten der palästinensischen Gemeinde im sozialen Sektor werden Programme
und angeboten, die die kulturellen Schnittpunkte der Palästinenser und der Deutschen
berühren und letztlich den interkulturellen Austausch ermöglichen.
Andere Programme sind zur Fortbildung der Gemeindemitglieder in juristischen,
gesellschaftlichen und sprachlichen Belange in Deutschland, nicht zuletzt das
unterrichten von Deutsch und Arabisch zur Förderung der Verständigung und
Identitätsfindung der 2. und 3. Generation.
Es werden politische und gesellschaftspolitische Vorträge von Experten angeboten
und letztlich alle innerpolitischen Problemen zu diskutieren und Konflikte im Verständnis
der unterschiedlichen Sichtweisen für politisch-soziologische Problemfelder zu entschärfen
und das gegenseitige sich Verstehen zu fördern.
Wegen der brisanten politischen Lage im Nahen Osten ist die PGD häufig gefordert zu bestimmten
reignissen klar und unmissverständlich Stellung zu nehmen.
So wurde eine Stunde nach bekannt werden des Terroranschlags in den USA von New York und
Washington eine Presseerklärung verfasst, in der der Anschlag auf das schärfste verurteilt wurde,
ungeachtet aller möglichen Erklärungsversuche die bereits diskutiert wurden.
Unserer Meinung nach ist der Terror in allen seinen Formen kein Mittel zur
Durchsetzung politischer Ziele. Unser Bedauern galt den Angehörigen der Terroropfer.
Wir haben als Vorstand uns den Medien gestellt und haben unseren Standpunkt vehement vertreten.
Andererseits sind wir gefragt in vielen Diskussionsrunden Weg und Mittel zu zeigen,
um der gesellschaftlichen Globalisierung der islamischen Religionszugehörigkeit entgegen
zu wirken, um den Dialog auf allen Ebenen der Gesellschaft zu fördern und zu beleben.
So zeigen wir, dass der Mensch mit all seiner Sozialisation im Mittelpunkt unseres Wirkens zu stehen hat.
Weniger erfreulich sind Situationen auf die wir in der Gesellschaft gerne verzichten können, die allerdings
stets unsere Stellungnahme herausfordert und unsere klare Position provoziert.
Einerseits nach der Religionsfrage,wo wir zuvor unsere Position zu dieser Frage klar und deutlich zum Ausdruck
brachten, andererseits wird unsere Geduld durch rechtsradikale Äußerungen strapaziert.
So wurde eine Presseerklärung von der PGD zur „Solidaritätsaufrufen“ der NPD herausgegeben,
in dem dieser rechtsradikalen Partei untersagt wird, die Situation der Palästinenser für
ihre rassistischen Zwecke zu missbrauchen und auf Kosten eines Freiheitskampfes
der jeglichen Rassismus und Radikalismus ablehnt zu unterminieren.
Wir erwägen eine Verleugnungsklage gegen die NPD zu erheben.
In allen Städten in denen die palästinensche Gemeinde vertreten ist wird ein großer Wert
auf die enge Zusammenarbeit mit den demokratischen Parteien, Friedensorganisationen und Menschenrechtsorganisationen gelegt. Hier werden gemeinsame Erklärungen und Demonstrationen
für den Frieden und gegen den Terror, sowie für Demokratie und gegen Rassismus veranstaltet.
Wir sind der Meinung, dass diese gesellschaftlichen Werte unter Beachtung der
Menschrechtskonventionen der beste Weg zur Schaffung einer in sich multikulturellen
aber integrativen Gesellschaft ist. Dieser Weg mag sehr weit sein, wir sind aber davon
überzeugt, dass es der einzig, erfolgreiche sein wird.
Prof. Dr. Sami Hussein
Ehrenvorsitzenderder PGD




